Gerd Bollermann MdLWachstum, Innovation, Chancengleichheit:
"Gutes Handwerk" für Nordrhein- Westfalen
Von Dr. Gerd Bollermann, MdL
Das Handwerk ist eine wichtige Säule unseres Mittelstandes. Allein in NRW machen Handwerksbetriebe 100 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und beschäftigen über eine Million Menschen. Das Handwerk schafft langfristige Werte statt temporärer Spekulationen und ist somit einer der wichtigsten Träger unserer sozialen Marktwirtschaft. Aber auch die Handwerksbetriebe stehen aufgrund konjunktureller Rückschläge immer wieder vor neuen Herausforderungen. Um diese zu bewältigen, brauchen sie die Unterstützung der Politik. Richtig ist, dass die Betriebe selbst über ihr wirtschaftliches Wohl und Leid, über Umsatz, Beschäftigung und Ausbildung entscheiden. Es ist und bleibt jedoch Aufgabe der Politik, möglichst optimale Rahmenbedingungen für wirtschaftlichen Erfolg in sozialer Verantwortung der Betriebe zu gestalten.
Seit zweieinhalb Jahren gibt es den Gesprächskreis Handwerk der SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen. Mitglieder des Gesprächskreises sind unter anderem Vizepräsidenten und Vertreter einiger nordrhein-westfälischer Handwerkskammern, sowie Handwerksrepräsentanten aus verschiedenen Kommunen . Gemeinsam wurden Ideen für das Konzept „Gutes Handwerk“ erarbeitet und wichtige Gründungs- und Wachstumshürden für das Handwerk identifiziert.
Die SPD-Landtagsfraktion hat diese Anregungen aufgenommen und das Konzept „Gutes Handwerk“ entwickelt, das zukünftig eine Stärkung des Handwerks in verschiedenen Bereichen vorsieht. Im Mittelpunkt steht das „Scheckheft Handwerk“. Es zeigt fünf Bereiche auf, in denen Handwerk passgenau unterstützt werden soll:
Mit dem Bürgschaftsscheck soll die Kreditaufnahme zum Unternehmensstart deutlich erleichtert werden. Derzeit werden junge MeisterInnen bei Gründungen mit jeweils 7.500 Euro unterstützt. Dieses wertvolle Eigenkapital soll um eine Landesbürgschaft in Höhe von maximal 15.000 Euro ergänzt werden und damit maximal die Hälfte der Investitionskosten abdecken.
Mit dem „Beratungsscheck Wachstum“ soll das Beratungsangebot z.B. über neue 'Vertriebswege', ‚Personalführung‘, ‚Finanzierungen‘ in die Handwerksbetriebe getragen werden, um eine unternehmensspezifische und nachhaltige Beratung zu ermöglichen. Der Beratungsscheck soll die Hälfte der Beratungskosten bis zu maximal 7.500 Euro der Gesamtkosten abdecken.
Der Brückenschlag zwischen Handwerk und Forschung soll mit dem Innovationsscheck erleichtert werden. Nach dem Konzept könnten Handwerksunternehmen den Innovationsscheck bei Forschungseinrichtungen, Instituten und Hochschulen für Problemlösungen auf dem Weg zu neuen Produkt- und Prozessinnovationen einlösen. Dieser Scheck soll die Hälfte der Forschungs- und Entwicklungskosten bis zu einer Höchstförderung von 15.000 Euro übernehmen.
Den Bewertungsscheck könnten Handwerksbetriebe bei zertifizierten Steuerberatern und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften einlösen, um einen realistischen Preis des eigenen Betriebs, z.B. für die Unternehmens-nachfolge, in Erfahrung zu bringen. Der Scheck sollte die Hälfte der Unternehmensbewertungskosten abdecken, maximal jedoch 7.500 Euro der Gesamtkosten.
Die SPD-Fraktion regt an, dass HandwerkerInnen, die ihren Betrieb an einen Nachfolger übergeben wollen, den Betriebsübergangsscheck einsetzen, um ihren Betrieb auf dem 'Handelsplatz Handwerk' in einer kompetenten Umgebung und vertraulichen Atmosphäre anzubieten. Der 'Handelsplatz Handwerk' soll ein weiteres Segment der Messe für Existenzgründer START sein. Der Betriebsübergangsscheck wäre auf 5.000 Euro begrenzt und könnte maximal die Hälfte der Honorarkosten für die Teilnahme am 'Handelsplatz Handwerk' ausgleichen.
Wachstum, Innovation und Chancengleichheit – das sind die Themenfelder, in denen die SPD-Fraktion Initiativen für das Handwerk ergreifen wird. Damit Handwerksleitungen von Handwerksunternehmen übernommen werden und nicht in Schwarzarbeit abwandern, setzen wir uns für eine Verbesserung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen ein. Zudem brauchen wir ein „Gütesiegel fairer Betrieb“ zur Stärkung der regionalen und lokalen Betriebe. Mit diesem Verfahren weisen qualifizierte Unternehmen nach, dass sie die örtlichen Tarifverträge einhalten, dass sie ausbilden und dass sie über ausreichende technische und finanzielle Leistungsfähigkeit zur Auftragsabwicklung verfügen.
Das Handwerk ist eine zentrale Stütze des Ausbildungsmarktes. Wir setzen uns dafür ein, dass das Handwerk für junge Menschen attraktiver wird und auch mehr Mädchen und Frauen Handwerksberufe ergreifen. Schülerinnen und Schüler müssen mehr über den beruflichen Alltag im Handwerk erfahren. Aus diesem Grunde muss auch in der Ausbildung von LehrerInnen ein realistisches und modernes Bild von Handwerksberufen und anderen Berufsfeldern vermittelt werden. Und auch die Handwerksbetriebe müssen sich stärker im Schulalltag engagieren und präsentieren. Der offene Ganztag bietet hier neue Möglichkeiten der Kooperation.
Ein weiteres Anliegen der SPD in NRW ist es, Hürden beim Hochschulzugang für MeisterInnen und AltgesellInnen abzubauen. In der Arbeitsmarktpolitik gelten für das Handwerk dieselben Forderungen, für die sich die SPD auf Bundesebene einsetzt: Wir fordern einen flächendeckenden Mindestlohn, gleiche Löhne bei gleicher Arbeit auch für Lohn- und Zeitarbeit und die Sicherung sowie den Ausbau der Mitbestimmung.
Handwerk ist ein wichtiger Motor für Wachstum und Beschäftigung in NRW. Für die SPD-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen steht fest: Wir wissen um die Bedeutung des Handwerks und bleiben ein verlässlicher Partner in guten und in schlechten Zeiten.
Broschüre "Gute Arbeit..."lesen: