Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD (AGS) in der Regio Aachen

Für eine soziale, nachhaltige und ökologische Wirtschaft

AGS zu: Soziale Lage Selbständiger

Veröffentlicht am 06.05.2026 in Veranstaltungen

Screenshot von der Veranstaltung

Online, 6.Mai 2026

Der Bundesvorstand der AGS hatte eingeladen zu einer Diskussion über die

Soziale Lage von Selbständigen in Deutschland. 

Grundlage war eine entsprechende Untersuchung des DIW Econ im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit.

Maximilian Priem (DEW Econ), einer der Mitautoren der Studie, stellte die zentralen Aussagen der Arbeit vor. 

Es folgte eine Diskussion zu den politischen Schlussfolgerungen.

 

Aus der Einladung: 

Angesichts der aktuellen Krisen und des Reformbedarfs der Sozialversicherungssysteme kommt der Frage nach der sozialen Absicherung von Selbständigen eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere Themen wie Altersvorsorge, Krankenversicherung sowie Einkommenssicherheit stehen dabei im Fokus der politischen Debatte.

Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, die Ergebnisse der Studie aus erster Hand kennenzulernen, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam zu diskutieren, welche politischen Maßnahmen notwendig sind, um die Situation von Selbständigen nachhaltig zu verbessern.

Wir freuen uns auf eine lebendige und konstruktive Diskussion mit Euch.

Renate Kürzdörfer  und Ralph Weinbrecht

Bundesvorsitzende der AGS

Ziel der Untersuchung war die repäsentative Erfassung der Selbständigen in der Vielfalt ihrer Erwerbsformen,

die Charakterisierung der Sozialen Lage von Selbständigen

und die Soziale Absicherung (Alter, Erwerbsausfälle und Krankheit)  von Selbständigen.

Zielgruppe: Selbständige zwischen 18 und 67 Jahren mit min. 10 Std./Woche (HT/NT) 

 

Fazit und Zusammenfassung: 

 88,2 % davon im Haupterwerb und 11,8% ausschließlich im Nebenerwerb.

 15,9 % sind hybrid tätig, 0,3 % temporär selbstständig

 > 50 % sind solo-selbstständig in der Haupttätigkeit

 Im Vergleich zur Erwerbsbevölkerung sind Selbstständige tendenziell älter, männlich und haben keinen

    Migrationshintergrund.

 Selbstständigkeit in Deutschland hat viele Gesichter, es gibt eine große Bandbreite an Umsätzen,

    Tätigkeitsarten und Wirtschaftszweigen. Die Verteilung der meisten Indikatoren ist unter Selbstständigen

    heterogener als in der gesamten Erwerbsbevölkerung; die Mitte ist weniger, die Extreme stärker ausgeprägt.

 

 Selbstständige befinden sich im Durchschnitt in einer relativ guten sozialen Lage im Vergleich zur gesamten

    Erwerbsbevölkerung: > 75 % gehören den oberen sozialen Lagen Mitte, Wohlstand, Wohlhabenheit an.

 Eine breite Mehrheit der Selbstständigen sichert sich für das Alter ab; 93 % der ausschließlich Selbstständigen

    nutzt min. eine Form der Altersvorsorge.

 Jede*r dritte Selbstständige bewertet ihre Absicherung für das Alter mit < 5 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10.

 Die Mehrheit der Selbstständigen ist nicht umfassend gegen Einkommens- und Erwerbsausfälle (Rücklagen

    für >12 Monate) abgesichert.

 Die verschiedenen Indikatoren der sozialen Absicherung sind teils polarisiert; viele bewerten ihre

    Altersvorsorge bzw. Absicherung gegen Einkommensausfälle mit den Extremwerten der Skala.

 Mit wachsender Beschäftigtenzahl und mit wachsenden Umsätzen fallen die soziale Lage und soziale

    Absicherung höher aus.

 

 Der Befund, dass gewisse Teilgruppen von Selbstständigen gleichzeitig eine niedrige soziale Lage und mangelnde

    soziale Absicherung aufweisen, erweitert die Evidenzbasis, auf der die öffentliche Diskussion zur sozialen Absicherung

    Selbstständiger in Zukunft geführt werden kann.

 Frauen sind unter den Selbstständigen grundsätzlich unterrepräsentiert, beginnen ihre Selbstständigkeit später im

    Leben und sind häufiger solo-selbstständig. Leben Frauen in Mehrpersonenhaushalten und Haushaltskonstellationen

    mit Kindern, weisen selbständige Frauen eine niedrigere soziale Lage auf als selbstständige Männer.

 Selbstständige mit Migrationshintergrund gehören tendenziell einer niedrigeren sozialen Lage an und sichern sich

    schlechter ab als Selbstständige ohne Migrationshintergrund. Besonders deutlich ist das für die Selbstständigen, die

    selbst nach Deutschland zugewandert sind.

 

Ein aktuell diskutiertes Thema  wurde enbenfalls angesprochen:

Eine Pflichtversicherung für Selbstständige ohne Vorsorge?

 Anstatt alle Selbstständigen pauschal mit einer verpflichtenden Regelung zu erfassen, Gruppe der

    Selbstständigen ohne nachweisbare eigene freiwillige Altersvorsorge gezielt unterstützen

 Staat könnte individuelle Vorsorgeaufwendungen bis zu einer Schwelle von bspw. von 24.000 Euro

    (Jahreseinkommen) durch einen Zuschuss in gleicher Höhe unterstützen.

 Um negative Arbeitsanreize und Schwellenwerteffekte zu vermeiden: Zuschuss bis Einkommensgrenze von

    36.000 Euro linear reduzieren → Für Betroffene weiterhin attraktiv, das eigene Einkommen über die

    Förderschwelle hinaus zu steigern.

 Organisation an wirtschaftliche Realität von Selbstständigen anpassen: flexible Beitragszahlungen (Vorbild

    Österreich?) & Anerkennung vielfältiger Vorsorgeinstrumente

 

Die Teilnehmer der Veranstaltung erlebten eine informative, anregende Zeit und  dankten dem Referenten.