AGS Regio Aachen

10 Fragen an Garrelt Duin

Arbeit und Wirtschaft

HWK Köln, 19.2.2020: Der Vorsitzende der AGSREGIOAACHEN , André Brümmer  nutzt ein Treffen mit Garrelt Duin (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Köln) zu einem Interview.

 

 

B.: 1. Wir kennen uns noch aus der Zeit, bevor Du NRW- Wirtschaftsminister wurdest. Du wurdest 1998 als Rechtsanwalt zugelassen. Das Thema „Wirtschaft“ wurde Dir also nicht in die Wiege gelegt, oder?

 

      D.: Als ich im Jahr 2000 Mitglied des Europaparlaments 

      wurde, habe ich entscheiden, mich um die wichtigsten Fragen

      für meinen Wahlkreis zu kümmern. Das waren damals noch 

      Schiffbau und die Automobilindustrie. Seitdem haben mich 

      industrie- und wirtschaftspolitische Themen immer begleitet, 

      im Bundestag und natürlich als Minister.

 

 

B.: 2. Als Minister hast Du versucht, alle Beteiligten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit einzubinden, um die jeweiligen Probleme zu lösen. Du bist seit Deiner Schulzeit SPD- Mitglied. Ist das ein Handicap bei Deiner jetzigen Tätigkeit ?

 

    D.: Man macht bessere Arbeit, wenn man viele Leute um sich 

    hat, die die Besten in ihren Bereichen sind. Da kann die 

    Parteimitgliedschaft kein Kriterium sein. Die Vollversammlung 

    der Handwerkskammer hat mich einstimmig zum 

    Hauptgeschäftsführer gewählt. Verbunden ist das mit der 

    Erwartung parteipolitischer Neutralität bei öffentlichen 

    Aussagen. Meine Herkunft oder Mitgliedschaft werde ich 

    deswegen aber nie verleugnen.

 

 

B.: 3. Was sind Deine Aufgaben als Hauptgeschäftsführer?

 

    D.: Ich steuere das Schiff. Wir sind 250 Beschäftigte, die 

    Betriebe beraten, aus- und weiterbilden, sich um den

    Nachwuchs im Handwerk kümmern. Aber auch viele juristische

    Fragen und nicht zuletzt ordentliche Finanzen gehören zu 

    meiner Verantwortung.

 

 

B.: 4. Du bist jetzt mehr als ein halbes Jahr Hauptgeschäftsführer der HWK Köln. Was sind die größten Veränderungen im persönlichen Tagesablauf?

 

    D.: Ich lebe jetzt in der Woche in Köln, während meine Familie 

    noch in Essen ist. Das ist eine gewisse Umstellung, die wir aber

    zusammen gut meistern.

 

 

B.: 5. Als Minister wurden Forderungen an Dich gestellt. Nun stellst Du die Forderungen. Aus dem Gejagten wurde ein Jäger. Macht das mehr Vergnügen?

 

    D.: Ich habe weder das Gefühl des Gejagten noch das des 

    Jägers je gehabt. In den Sachfragen muss ich auch meine

    Meinung nicht ändern. Ich habe mich als Minister immer sehr 

    für das Handwerk eingesetzt, hatte es sogar im Namen des 

    Hauses. (MWEIMH= Ministerium für Witschaft, Energie, 

    Industrie, Mittelstand und Handwerk (Red.))

    Auch das Thema Bürokratieabbau stand für mich nicht nur in 

    den Sonntagsreden. Ein Unterschied ist, dass ich früher 

    Fördermittel ausgegeben habe, heute welche z.B. für unser 

    Bildungszentrum beantrage. Da bin ich dann doch etwas zum 

    Jäger geworden.

 

 

B.: 6. Was sind Deine Ziele in der neuen Funktion?

 

    D.: Der größte Schritt muss bei der Digitalisierung gemacht 

    werden. Da sind wir als Servicestelle für das Handwerk noch 

    nicht gut genug. Und es muss immer klar sein, dass wir die 

    Kammer in Köln sind aber eben nicht nur für Köln sondern für 

    die ganze Region.

 

 

Kommen wir zu Sach-Themen:

B.: 7. In 2012 hast Du einen bundesweiten Ausgleich für die Kosten der Energiewende (auch zu Gunsten von NRW) gefordert, Bayern klagte damals gegen den Länderfinanzausgleich. Das Thema ist immer noch aktuell. Wer soll die Energiewende letztlich bezahlen:

  •   Die Bürger über Steuern und Energiekosten?
  •   Die Wirtschaft, und damit auch das Handwerk?
  •    Oder welche Vorstellung hast Du dazu?

     D.: Die Klima- und Energiewende ist zwingend erforderlich und 

    mittlerweile ja gesellschaftlich auch von fast allen gewollt. 

    Solche Umbrüche müssen dann auch von allen gestemmt 

    werden, man darf die Verlierer dieses Weges nicht allein 

    lassen. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass alle über 

    Steuern auch an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligt 

    werden müssen. Und Steuern sind immer auch entsprechend 

    der Leistungsfähigkeit zu zahlen.

 

 

B.: 8. Die Berufliche Bildung ist trotz aller Sonntagsreden von Politikern immer noch unterfinanziert, insbesondere im Vergleich zur Finanzierung der Akademischen Bildung. Die Akzeptanz des Handwerks ist auch noch verbesserungswürdig, trotz sehr guter Image- Kampagnen des Handwerks. Was ist zu tun?

 

    D.: Wir kommen voran. Der Pakt der Landesregierung 

    zugunsten der Bildungsstätten hilft uns sehr, die notwendigen 

    Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Damit bleiben wir

    auch technisch auf Höhe der Zeit. Außerdem sind Meister und 

    Bachelor jetzt endlich auch gesetzlich gleichgestellt. Wir selbst 

    haben die Aufgabe junge Menschen noch viel früher und viel 

    genauer über die Perspektiven einer dualen Ausbildung und der 

    Weiterbildung bis hin zum trialen Studium zu informieren. In der

    Vergangenheit haben wir zwar teure Broschüren gedruckt damit 

    aber kaum jemanden wirklich begeistern können. Es braucht 

    mehr Bezug zur Praxis schon in der Schule. Kein Abschluss 

    ohne Anschluss (KAOA) war ja ein guter Ansatz, aber wir 

    müssen gemeinsam mit allen Akteuren noch viel häufiger 

    jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit dem 

    Handwerk konkret zu beschäftigen.

 

 

B.: 9. Die AGS hat sich in der Vergangenheit immer sehr für die Belange des Handwerks eingesetzt. Das hat zu guten Kontakten zwischen den Handwerksorganisationen und dem Handwerk geführt. Wie können wir diesen Kontakt pflegen oder sogar ausbauen?

 

    D.: Ich habe das Engagement der AGS immer sehr geschätzt 

    und stehe selbstverständlich gerne für diesen kontinuierlichen 

    Austausch zur Verfügung. 

 

 

Zur letzten Frage: 

B.: 10. Das Jahr ist noch jung. Hast Du Vorsätze für das Jahr 2020?

 

    D.: Vorsätze sind ja so eine Sache. Mit dem Rauchen aufhören, 

    etwas Sport treiben, gesünder essen. Mal gucken, was so 

    klappt. Aber einen Wunsch habe ich. Es wäre toll, wenn der 1. 

    FC Köln und mein Verein, der HSV, ab dem Sommer wieder 

    zusammen in der 1. Liga spielen würden. 

 

B.: Ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir viel Freude und Erfolg bei Deiner Arbeit.

 

 

 
 

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