AGS: Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD

Für eine soziale, nachhaltige und ökologische Wirtschaft

Mehr Praxiserfahrung für Schüler!

Veröffentlicht am 29.01.2015 in Schule und Bildung

Verpflichtung der Desinteressierten!

Die Studien- Abbrecherquote ist in Deutschland zu hoch! Bert Wirtz, Präsident der IHK Aachen beklagt Vergeudung volkswirtschaftlicher Ressourcen und Vita- Brüche für die Betroffenen. Wirtz fordert mehr Orientierungshilfen.

Die Aussagen sind widersprüchlich: Während die deutschen Wirtschaftsorganisationen eine zunehmende „Akademisierungswelle“ beklagen, erklärt die OECD in ihrem jüngsten Bildungsbericht zum wiederholten Male, dass die deutsche Akademikerquote weit unterdurchschnittlich sei. Was von beidem stimmt denn nun? Um eins vorwegzunehmen: Die deutsche Wirtschaft braucht hoch quali­fizierte Universitätsabsolventen, insbesondere mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler. Die OECD blendet aber aus, dass das deutsche duale Ausbildungssystem die Bachelor- Ausbildung vieler ausländischer Berufsbildungssysteme in Vollzeitschule ersetzt und somit für eine wesentlich niedrigere Jugendarbeitslosenquote sorgt

Fest steht auch: Immer mehr „Studienberechtigte“ suchen den Weg in die Hochschulen. Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass sich die Akademikerquote signi­fikant erhöht, ist eine Fehlinterpretation. Bei einer 40- prozentigen Abbrecherquote an unseren Hochschulen können wir wohl kaum von einer „Welle“ der Akademisierung sprechen. Auch wenn viele Studienabbrecher schließlich zu einer quali­fizierten Berufsausübung übergehen, ist dieser Umweg eine Vergeudung volkswirtschaftlicher Ressourcen und führt zu einer unnötigen Vielzahl an Vita- Brüchen mit potenziell negativen Auswirkungen für die Betroffenen.

Um diesem Dilemma entgegenzuwirken, bieten vielerorts aufgelegte Initiativen attraktive Übergänge in eine betriebliche Ausbildung.

Herauszuheben ist hier insbesondere unser Projekt „Switch“, das Studienabbrechern der MINT- Fächer eine IT- Ausbildung vermittelt. Eine bundesweit anerkannte und oftmals kopierte Initiative, die auch schon vom Bund ausgezeichnet wurde. Letztlich ist sie aber eine von vielen Reparaturmaßnahmen einer grundsätzlichen Fehlentwicklung.

Wir müssen uns fragen, wie wir dieser Entwicklung vorbeugen können! Keinesfalls sollten wir die Anforderungen an das Studium senken, denn das würde nur die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse von Bachelor- Absolventen erhöhen. Vielmehr benötigen Schüler, die eine Studienberechtigung anstreben, weitergehende Orientierungshilfen. Es darf nicht sein, dass eine große Zahl von Abiturienten am Ende ihrer Schulzeit nicht weiß, was sie will, dass sie uninformiert und ratlos ist – und deshalb die falsche Studienentscheidung trifft.

Vergleichbar mit den obligatorischen Berufsfelderkundungen von Schülern in Unternehmen im Rahmen des Projekts „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (kurz: „KAoA“), sollte in den gymnasialen Lehrplänen eine Studienfeld- erkundung an Hochschulen festgeschrieben werden. Nicht die theoretische Studienberatung alter Machart, sondern die praktische Erfahrung in den Hörsälen kann uns weiter bringen! Nicht die Freiwilligkeit der Interessierten, sondern die Verpflichtung der Desinteressierten muss hierbei im Vordergrund stehen!

Quelle: wirtschaftliche NACHRICHTEN 11I2014 der IHK Aachen